Survival Guide zum Oktoberfest

Ab kommenden Samstag herrscht in München einmal mehr Ausnahmezustand, wenn um zwölf Uhr standesgemäß mit dem Anstich des ersten Faß Bier das Oktoberfest eröffnet wird – O´zapft is. Und man kann davon ausgehen, dass dem größten Volksfest der Welt auch in diesem Jahr trotz vermehrter Sicherheitsbedenken und Nachwirkungen des Amoklaufs nicht die Besucher ausgehen werden. Wir haben für Euch ein paar wichtige Tipps rund um das Oktoberfest zusammengefasst, sodass man bei einer etwaigen Reise in die bayerische Landeshauptstadt nicht völlig unvorbereitet da steht.

Eigentlich unterscheidet sich das Oktoberfest gar nicht so sehr von allen anderen deutschen Festen, lediglich in der Ausführung ist hier alles eine Ecke größer, mediengeiler, teurer und vor allem schicker. Nicht zuletzt sieht man das am regelmäßigen „Promi“ Ansturm, der auch in diesem Jahr wieder – natürlich schön abgeschottet vom Pöbel – ordentlich am abfeiern ist. Doch auch der normale Bürger kann am Oktoberfest viel Spaß haben, denn die Menschen sind in Feier- und oftmals auch in Flirtlaune. Aufpassen muss man allerdings beim Verzehr des Festbieres, denn das hat im Gegensatz zu „herkömmlichen“ Bieren einen erhöhten Alkoholgehalt, was schon manchen trinkfesten Gestalten Kopf und Kragen gekostet hat.

Wer viel trinkt, braucht laut Volksmund aber auch eine „gute Unterlage“ und deswegen kann das Oktoberfest vor allem in kulinarischer Hinsicht überzeugen. Neben den süddeutschen Biergartenschmankerln wie Obadzder und Brezen gibt es hier vor allem auch leckere Geheimtipps wie Steckerlfisch, Ochsen und natürlich die obligatorische Haxe.

Ganz nett zu wissen: Für Familien gibt es extra ausgewiesene Tage, an denen vor allem bei den zahlreichen Fahrgeschäften Sondertarife gelten. Die meisten Infos diesbezüglich findet man unter www.oktoberfest.de.

Wer von aller Feierei noch nicht genug hat, wenn die Festzelte schließen, der kann in der Innenstadt noch weiterfeiern und gegebenenfalls komplett abstürzen. Wer hier mitgedacht hat, hat sich sein Hotelzimmer schon weit (!) im Voraus reserviert, denn die Übernachtungsplätze zur Wiesenzeit sind rar und nicht unbedingt das, was man erschwinglich nennt.

Auch die Anreise will wohlgeplant sein. Für Auswärtige empfiehlt sich eine Anreise per Park & Ride – auf jeden Fall aber über öffentliche Verkehrsmittel. Parkplätze gibt es ja so in der Innenstadt schon kaum. Wenn alle Stricke reißen, kann man sich zum Wegkommen noch ein Taxi gönnen, aber auch das muss erst gefunden werden. Unsere Checkliste Oktoberfest gibt einen kleinen Überblick über alle wichtigen Punkte – so kann bei der zünftigen Feierei nichts mehr schief gehen. Wer sich zusätzlich noch etwas die Stadt ansehen will, ist mit der Checkliste Sehenswürdigkeiten München bestens beraten.

Für alle Auswärtigen (und besonders die Nicht-Bayern) haben wir außerdem noch einen kleinen Knigge zum Verhalten im blau-weißen Bundesland, oder zumindest ein paar Anregungen parat, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Schnell wird man sonst als „Zugroaster“ (= Zugereister, bairische Bezeichnung für jemanden, der nicht aus München stammt) oder als „Preiß“ (=Preuße, bairische Bezeichnung für jemanden nicht aus Bayern bzw. aus Deutschlands Norden stammt) bezeichnet – aber mindestens fällt man durch das Verhalten in gewisser Weise peinlich auf.

I) Original Weißwurst Frühstück?

Weißwürste werden traditionell am vormittag verzehrt (früher sagte man, dass Weißwürste die Mittagsglocken nicht hören dürfen). Mittlerweile kann man Weißwurst getrost auch zu anderen Tageszeiten verspeisen, ohne schief angesehen zu werden, doch bei den Beilagen gibt es Dinge zu beachten. Weißwürste werden mit süßem Senf gegessen. Unter keinen Umständen sollte ein scharfer Senf dazu gereicht werden. Dazu gibt es normalerweise Laugenbrezen und Weißbier.

Die Technik des Weißwurstessens ist ein vieldiskutiertes Thema. Der Darm der Wurst wird nicht gegessen. Ansonsten macht man nichts falsch, wenn man die Wurst zuzelt (aussaugt) oder eben einfach den Darm abzieht. Mit Messer und Gabel wird hierbei aber eher selten agiert.

II) Li, La, Leberkäs

Bayerischen Leberkäse gibt es in zahlreichen Varianten, in der klassischen Form der Leberkässemmel, gebraten in der Pfanne mit Ei, oder in Aufschnittform als Brotauflage. Bei den Beilagen gilt tendenziell: Je nach Belieben, jedoch wird der Leberkäs immer ! mit Senf gegessen, keinesfalls mit Ketchup.

III) Maß nehmen, Maß bestellen …

Die Maß Bier ist immer ! weiblich, niemals neutral und auch nicht maskulin. Man spricht sie so aus, dass sie sich auf „Spaß“ reimt. In Bayern gibt es gemeinhin andere Biergefäßeinheiten als im Rest von Deutschland. Verbreitet sind vor allem die schon angesprochene „Maß“, die einen Liter Bier umfasst. Daneben gibt es noch die „Halbe“, was 0,5 Liter entspricht. Im fränkischen Raum gelangt man auch durch das bestellen eines „Seidla“ zu einem halben Liter Bier. Maßen gibt es hier aber genauso. Definitiv als Tourist outet Ihr Euch, wenn Ihr Euch ein „kleines Pils“ bestellt.

IV) fiese Trachten?

Tracht ist beim Oktoberfest übrigens kein verbindliches Element. Genausogut lässt es sich in anderer Kleidung feiern. Besonders in den letzten Jahren ist es aber zu einem regelrechten Boom gekommen, sodass mittlerweile sogar die gängigen Klamottenketten ihre eigene Dirndlkollektionen Feil bieten. Diese haben mit traditioneller Tracht zwar eher wenig zu tun, finden aber anscheinend weithin Gefallen. Sollte die Wahl also auf Tracht fallen, so ist zu beachten, dass man sie wenigstens richtig einsetzt. Für Verwirrung sorgt immer mal wieder die Schleife beim Dirndl. Sitzt sie links, so ist die Trägerin frei, also nicht vergeben. Sitzt sie rechts, so ist die Trägerin in festen Händen. Für den männlichen Part gibt es anstelle von Lederhosen kaum eine Trachtenalternative. Keinesfalls sollten aber bei beiden Geschlechtern Turnschuhe oder ähnliches zu Trachten getragen werden.

V) Sprekke sie Dialekt?

Der Dialekt ist in Bayern ein Teil der persönlichen Identität. Unter keinen Umständen solltet Ihr versuchen den Dialekt nachzusprechen, wenn Ihr es nicht könnt. Auch im tiefsten Bayern ist man des Hochdeutschen mächtig,sodass getrost in dieser Sprache bestellt und kommuniziert werden darf.

Wir wünschen Allen ein tolles Oktoberfest, viel Spaß und nicht zu viel Kater am nächsten Morgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.